Seropositiv 

Akzeptanz statt Intoleranz

Hallo, ich bin Petra

Hallo, ich bin Petra, geboren 1969.

Während meiner Schwangerschaft im Jahr 1992 haben ich von meiner HIV Infektion erfahren. Die Ärzte gaben mir maximal 2 Jahre, und ich sollte das Kind abtreiben lassen, da es garantiert auch krank sei. Nun, was soll ich sagen? Ich bin immer noch da, und mein nunmehr fast 23- jähriger Sohn ist gesund.

Meine erste Reaktion damals war: Von wem habe ich es ? Ich habe sehr schnell herausgefunden, dass mir diese Frage nicht weiter hilft, denn selbst wenn ich sie beantworten könnte, würde es nichts an der Tatsache ändern.

Meine Familie habe ich sehr schnell darüber informiert. Die Reaktion und Hilfe meiner Familie haben mir sehr dabei geholfen, die Tatsache zu akzeptieren. Die Familie meines Ex-Mannes jedoch durfte davon nichts erfahren. Er selbst wollte es nicht, wohl auch, weil er sich nicht mit der Krankheit auseinandersetzen wollte, sie sogar die ganzen Jahre hinweg ignorierte.

Unserem Sohn habe ich es jedoch erzählt als er sechs Jahre alt war. Er selbst kommt damit ganz gut zurecht und befasst sich nun genauso mit diesem Thema, und er weiß mit Sicherheit mehr darüber als viele Andere. Mit der Zeit habe ich gelernt, auch mit der HIV-Infektion zu leben und viel offener mit dem Thema HIV und AIDS umzugehen. Die Krankheit hat mich auch stärker gemacht, denn ich habe gelernt, niemals aufzugeben, ganz egal, wie schlecht es auch aussieht, und genieße das Leben viel bewusster als zuvor.

Seit 1996 nehme ich täglich Medikamente, die dafür sorgen, dass das Virus sich nicht in meinem Körper ausbreiten kann. Durch diese Stabilität meiner Werte ist es mir auch möglich, Pläne für mein Leben zu schmieden, und diese auch umsetzen zu können.

2006 habe ich meinen jetzigen Ehemann kennen gelernt. Ich habe ihm relativ früh von meiner Infektion erzählt, er selbst ist negativ.  Dies hat ihn aber nicht abgeschreckt, sondern er hat begonnen, sich ebenfalls mit dem Thema zu beschäftigen. Die Infektion ist natürlich ein Teil unseres Alltags, aber nicht der Teil, um den sich alles dreht.

Seit mehreren Jahren begleite ich die örtliche AIDS- Hilfe und das Gesundheitsamt ehrenamtlich zu verschiedenen Präventionsveranstaltungen mit unterschiedlichen Themen, bei denen ich den Teilnehmern, meist Schülern diverser Schularten, Rede und Antwort stehe. Ich spüre oftmals das Interesse der Teilnehmer, und auch eine besondere Art Respekt dabei. Auch die Reaktion nach den Veranstaltungen fallen meist sehr zufriedenstellend aus, oftmals begegne ich den Teilnehmern auch danach noch, und muss zu meiner Freude feststellen, dass sie keinen Bogen um mich machen, sondern mich freundlich grüßen und mich fragen, wie es mir geht.

Bei diesen Veranstaltungen geht es nicht nur um HIV und AIDS selbst, sondern auch um den Umgang mit Betroffenen.

Wir versuchen, zu vermitteln, dass eine Infektion mit dem Virus nach wie vor unheilbar ist, aber auch, dass die Ansteckungsgefahr sehr speziell klassifiziert ist. Ein Händeschütteln, eine Umarmung oder sogar ein Kuss ist keinesfalls ansteckend.

Gerade auch für Auszubildende in den Pflegeberufen ist es wichtig,  solche Informationen zu erhalten, denn gerade sie haben viel häufiger Kontakt mit Betroffenen, als sie selbst wissen.